Zum Jahreswechsel verstreichen jede Menge Fristen, gelten neue Rahmenbedingungen, verändern sich Konditionen. Höchste Zeit also, sich Kontoauszüge und Versicherungsordner vorzunehmen und zu prüfen, was man vor Silvester noch in die Wege leiten sollte
Altersvorsorge

Die Dauer-Niedrigzinsen machen sich auch in der privaten Altersvorsorge bemerkbar – vor allem bei Produkten, die vorwiegend in festverzinsliche Wertpapiere investieren: Der Zinseszinseffekt, der bei Verträgen mit langen Laufzeiten einen Großteil der Rendite bringt, fällt deutlich kleiner aus als früher. „Eine Senkung des durchschnittlichen Zinsniveaus um einen Prozentpunkt bedeutet, dass ein Bürger 15 Prozent mehr aufwenden muss, um seine Altersvorsorge stabil zu halten“, sagt Alexander Erdland, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Zum Jahreswechsel verschärft sich das Problem noch einmal: Der Garantiezins für klassische Lebens- und Rentenversicherungen (im Fachjargon: Höchstrechnungszins) wird auf Beschluss des Bundesfinanzministeriums gesenkt – von 1,25 auf 0,9 Prozent. So sollen die Versicherungsunternehmen weiter stabil wirtschaften können. Die Absenkung betrifft nur Neuverträge, an den Garantien bestehender Policen ändert sich nichts.

Spätestens diese Absenkung sollte Anlass sein, klassische Policen um chancenorientierte Altersvorsorgeprodukte zu ergänzen, die stärker auf Aktienfonds basieren. Sie unterliegen zwar Wertschwankungen, bieten auf lange Sicht jedoch erheblich bessere Renditechancen (siehe Interview). „Zahlreiche Produkte lassen sich zudem mit einer Art Sicherheitsnetz in Form einer Brutto­beitragsgarantie versehen“, sagt Jan Dettmer, Produktmanager Leben bei Swiss Life Deutschland. Am Ende der Laufzeit erhält der Kunde einen von ihm vorab bestimmten Anteil der geleisteten Prämien in jedem Fall zurück.

Je früher die Entscheidung für eine Ergänzung der Altersvorsorge fällt, desto länger kann das Kapital Rendite erwirtschaften. Bei Verträgen mit Bruttobeitragsgarantie bietet ein schneller Entschluss einen weiteren Vorteil: Der Rechnungszins hat nämlich Einfluss darauf, wie stark das Produkt in chancenreiche Anlageformen investieren kann. Sinkt der Zinssatz, muss der Kunde anteilig mehr Geld für die Garantie aufwenden. Der Anteil des Kapitals, das an den Finanzmärkten Rendite erwirtschaften soll, wird entsprechend kleiner.

 

Risikolebensversicherung

Die Niedrigzinsen verteuern die Risikolebens- und die Sterbegeldversicherung ab 1. Januar. Sie werden mit dem sinkenden Garantiezins kostspieliger für die Kunden. Das fällt zwar vielen Kunden kaum auf, weil ein Todesfallschutz, bei dem im Ernstfall 250 000 Euro ausgezahlt werden, bereits für 10 bis 15 Euro im Monat zu haben ist. Doch auch eine Erhöhung um wenige Euro läppert sich, wenn der Vertrag 30 oder 40 Jahre läuft.

 

 

 

Bausparen

Das Sparen für Haus oder Wohnung ist hierzulande die drittbeliebteste Form der Geldanlage. 30 Millionen Deutsche zahlen in einen Bausparvertrag ein – nicht zuletzt, weil sie sich so die aktuellen Niedrigzinsen für einen späteren Kredit sichern. Geringverdiener, Berufseinsteiger und Ruheständler werden dabei vom Staat gefördert. Wer bis zum 31. Dezember einen Vertrag abschließt, streicht noch die Wohnungsbauprämie für 2016 ein. Sie macht bei einem Sparbetrag von rund 500 Euro ­immerhin etwa 45 Euro aus. Voraussetzung: Der Jahresverdienst, also das zu versteuernde Einkommen, beträgt höchstens 25 600 Euro. Zusätzlich gibt es für Arbeitnehmer weitere Förderungen, insbesondere für Auszubildende.

 

Riester und Rürup

Bei geförderten Altersvorsorgelösungen lohnt es sich zu prüfen, ob man genug einzahlt, um sich die vollen Zulagen vom Staat beziehungsweise den vollen Steuernachlass zu sichern. Beiträge zur Riester-Rente oder Basisrente (Rürup-Rente) lassen sich noch bis Silvester aufstocken.

Bei Riester-Verträgen gilt: Wenigstens vier Prozent des Vorjahresbruttogehalts muss ein Sparer jährlich in den Vertrag stecken, wenn er die Gesamtzulagen ohne Abzüge einstreichen will. Bei einem Bruttogehalt von 50 000 Euro sind dies 2000 Euro. Davon abzuziehen sind die staatlichen Zulagen, also 154 Euro für den Einzahler, 185 Euro für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde, und 300 Euro für jedes jüngere Kind.

Bei Rürup-Verträgen ist die Steuerersparnis umso größer, je mehr der Sparer zurücklegt. Derzeit lassen sich 82 Prozent der Beiträge absetzen (von 2017 an sind es 84 Prozent) – bis zu einer Summe von 22 767 Euro. Bei Riester- und Rürup-Policen gilt ab 2017 ebenfalls der niedrigere Garantiezins – ein rasches Handeln ist also auch hier ratsam (siehe auch Ziffer 10).

 

Betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist ein wichtiger Baustein, um für ein finanziell gesichertes Leben im Ruhestand vorzusorgen. Bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rente lassen sich steuer- und sozialabgabenfrei einzahlen, 2016 sind das maximal 2976 Euro. Diesen Betrag können Sparer unter bestimmten Voraussetzungen um weitere 1800 Euro aufstocken, auf die allerdings Sozialabgaben fällig werden. Wegen der anstehenden Absenkung des Garantiezinses ist eine solche Überprüfung noch in diesem Jahr sinnvoll.

 

Berufsunfähigkeits­versicherung

Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitspolice (BU) vorm Jahreswechsel spart bares Geld. Der niedrigere Garantiezins macht die Verträge teurer, 2017 müssen Versicherte mit Beitragserhöhungen um vier bis neun Prozent rechnen, warnt Anja Brennecke, Biometrieexpertin bei Swiss Life Deutschland. Bei vielen Versicherern ist zudem der 1. Januar der Stichtag für die Berechnung des Kundenalters. Hier werden Menschen am Neujahrstag ein Jahr älter – und nicht an ihrem Geburtstag.  „Das sind gleich zwei gute Gründe, rasch einen Vertrag abzuschließen“, sagt Brennecke. Denn jedes Lebensjahr, das vorm Abschluss verstreicht, verteuert die Beiträge. Wer sich noch 2016 eine Police zulegen will, sollte sich sputen, denn Bearbeitung und Bewilligung der Anträge dauern eine Weile.

 

Pflegeversicherung

In diesem Januar erhöhen sich die Beiträge für die gesetzliche Pflegeversicherung von 2,35 auf 2,55 Prozent des Bruttogehalts. Kinderlose zahlen 2,8 Prozent. Zudem wird die Pflegebedürftigkeit neu eingeteilt in nunmehr fünf Grade. Pflegebedürftige können durch die Gesetzesreform mehr Leistungen erwarten. Sie sollten möglichst bis Ende 2016 eine Neueinstufung beantragen, um gleich von Beginn des neuen Jahres an die Unterstützung zu erhalten, die ihnen zusteht.

Auch die Leistungen privater Pflegepolicen richten sich nach der neuen Gesetzeslage. Bei bestehenden Pflegetagegeldversicherungen dürfen Anbieter Verträge an die neuen Bedingungen anpassen – mit der Folge höherer Beiträge. Die Kosten bestehender Pflegerentenpolicen dürfen hingegen in der Vertrags­laufzeit nicht verändert werden. Bei allen derzeit von Swiss Life Select angebotenen Pflegezusatzversicherungen ist es möglich, den ab 2017 geltenden Absicherungsbedarf durch eine Höherversicherung zu decken. Generell gilt: Je früher man eine Police abschließt, desto geringer sind die Monatsbeiträge.

 

Steuern für Rentner

Für Ruheständler gibt es eine gute Nachricht: 2017 werden sie die höchste Rentenanhebung seit 23 Jahren erleben. Im Westen gibt es 4,25 Prozent mehr Geld, im Osten 5,95 Prozent mehr. Aus einer Durchschnittsrente von 900 Euro brutto werden dann rund 940 beziehungsweise 950 Euro. Der Wermuts­tropfen: Nach der Anhebung – die zum 1. Juli stattfindet – müssen 160 000 Rentner Steuern zahlen, die bisher unter die Freigrenze fielen. Wer davon betroffen ist, sollte ab sofort jeden Beleg sammeln, um seine Steuerlast zu drücken. So lassen sich als Werbungskosten beispielsweise Aufwendungen absetzen, die durch die Beantragung der Rente entstehen (etwa für Rechtsberatung oder Prozesse) oder Ausgaben für den Steuerberater.

 

Negativzinsen

Immer mehr Institute erwägen, kostenlose Girokonten abzuschaffen. Einige Sparkassen und Banken erheben bereits „Verwahrgebühren“ für größere Summen, die Privatleute auf ihrem Giro- oder Tagesgeldkonto deponiert haben. Wer Bedenken hat, ob ihm demnächst ein Strafzins fürs Spargeld droht, kann sich schon einmal bei anderen Banken umsehen. Noch sinnvoller ist es, eine genaue Vermögensaufstellung zu machen und zu prüfen, wie viel Geld man kurz- oder mittelfristig entbehren kann. Diese Summe sollte dann, den persönlichen Anlagezielen und der individuellen Risikoneigung entsprechend, höher rentierlich angelegt werden, etwa in intelligente Sparplanprodukte.

 

Krankenversicherung

Unsere Gesellschaft wird immer älter, die medizinische Versorgung immer kostspieliger. Das trifft neben den gesetzlichen Kassen auch die private Krankenversicherung (PKV). Die Gesellschaften legen einen großen Teil der Versichertenprämien zurück, um höhere Kosten im Alter zu decken. „Diese Beträge verzinsen sich jedoch immer schlechter“, sagt Christoph Lampe, PKV-Experte bei Swiss Life Deutschland. „Deshalb müssen die Kunden mit ihren monatlichen Zahlungen die fehlenden Erträge zusätzlich ansparen.“ Zum Jahreswechsel ist daher mit teils deutlichen Beitragssteigerungen zu rechnen.

Um künftige Prämiensprünge abzumildern, können Versicherte bei vielen Gesellschaften bereits heute Zusatzbeiträge leisten, mit denen zusätzliche beitragsdämpfende Rücklagen gebildet werden. Der Clou: An diesem Mehraufwand beteiligen sich Arbeitgeber bis zum Höchst­zuschuss – darüber hinaus ist der Eigenanteil beim Finanzamt absetzbar. Die garantierte Beitragsentlastung im Alter ist überdies steuerfrei.

Von einem überhasteten Wechsel zu einem anderen Anbieter raten Fachleute ab. Zum einen ist damit eine erneute Gesundheitsprüfung verbunden, zum anderen verlieren Kunden unter anderem bereits aufgebaute Alterungsrückstellungen. Das höhere Eintrittsalter bringt automatisch  einen Aufschlag bei den Beiträgen mit sich. Männer müssen zudem in den für sie teureren sogenannten Unisex-Tarif wechseln.

„Weiterhin bietet nur die private Krankenversicherung eine Antwort auf den Demografiewandel“, sagt Swiss Life-Experte Lampe. Anders als in der gesetzlichen Krankenversicherung seien bei der PKV die Leistungen zudem lebenslang garantiert. „Wer sich privat versichern kann, sollte sich unbedingt noch in diesem Jahr beraten lassen.“

Von Melanie Kegel


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